Pflegefall — und nun?
Ein Sturz, eine Diagnose, eine Operation — der Pflegefall kommt meist plötzlich. Wer noch nie damit zu tun hatte, steht erstmal vor einer Wand aus Formularen, Begriffen, Optionen. Dieser Ratgeber ordnet die ersten Wochen — von der Pflegegrad-Beantragung bis zum ersten Atemholen für dich selbst.
Jenny
Redaktion · Pflege & Familie

Pflegetagebuch führen — die wichtigste Vorbereitung für die MD-Begutachtung.
Frist für die Pflegekassen-Entscheidung — sonst gilt die Genehmigungsfiktion.
kostet die Pflegeberatung im Pflegestützpunkt — nutze sie.
Die ersten 4 Schritte
Reihenfolge zählt. Wer den Pflegegrad-Antrag verschleppt, verliert Wochen an Leistungen — wer das Pflegetagebuch vergisst, riskiert eine zu niedrige Einstufung.
Pflegegrad beantragen
Ein formloser Anruf bei der Pflegekasse genügt. Das offizielle Antragsformular wird dir zugesandt. Wichtig — das Datum der ersten Meldung zählt für den Leistungsbeginn.
Pflegetagebuch führen
Mindestens 14 Tage dokumentieren — was wird unterstützt, wie oft, wie lange? Das ist die wichtigste Vorbereitung für die MD-Begutachtung.
Pflegestützpunkt kontaktieren
In jeder Stadt gibt es kostenfreie Pflegestützpunkte. Die Berater:innen kennen die regionalen Angebote und helfen beim Sortieren der Möglichkeiten.
Sich selbst nicht vergessen
Pflegende Angehörige werden im ersten Schock oft selbst übersehen. Schon jetzt — Pflegekurse (kostenlos), Selbsthilfegruppen, Entlastungsangebote planen.
Welche Leistungen kommen auf dich zu?
Die Pflegeversicherung hat eine Reihe von Töpfen — manche ab PG 1, manche ab PG 2, manche nur einmalig oder im Jahresbudget.
Pflegegeld
347 – 990 €
Bei häuslicher Pflege durch Angehörige, ab PG 2.
Pflegesachleistung
796 – 2.299 €
Bei ambulantem Pflegedienst, ab PG 2.
Pflegebox
42 €
Pflegehilfsmittel zum Verbrauch, ab PG 1.
Entlastungsbetrag
131 €
Für Betreuung & Haushaltshilfe, ab PG 1.
Verhinderungs- + Kurzzeitpflege
3.539 €/Jahr
Gemeinsames Jahresbudget seit 1.7.2025.
Wohnumfeldverbesserung
bis 4.180 €
Einmalig pro Maßnahme (Treppenlift, Badumbau).
Pflegende Angehörige brauchen auch Pflege
Zwischen 4 und 6 Millionen Menschen pflegen in Deutschland zu Hause — und schätzungsweise jede:r zweite davon kommt selbst an die Belastungsgrenze. Was du dir früh sichern solltest:
- Pflegekurse für Angehörige — kostenfrei nach § 45 SGB XI, oft auch online.
- Selbsthilfegruppe — Erfahrungsaustausch ist Gold wert.
- Verhinderungspflege — wenn du krank wirst oder Urlaub brauchst.
- Entlastungsbetrag (131 €/Monat ab PG 1) für Haushaltshilfe oder stundenweise Betreuung.
- Rentenpunkte — als pflegende:r Angehörige:r bist du rentenversichert, wenn du wenigstens 10 Wochenstunden pflegst.
Häufige Fragen
Wer hilft mir beim Sortieren?
Der Pflegestützpunkt (kostenfrei, in jedem Bundesland) ist die beste erste Adresse. Auch der Sozialdienst des Krankenhauses bei Entlassung kann weiterhelfen. Online ergänzend unsere Ratgeber — Pflegegrade, Pflegegeld, Hilfsmittel beantragen.
Wie lange dauert das alles?
Der Pflegegrad-Antrag wird typischerweise in 25 Werktagen entschieden. Bis dahin gibt es keinen Anspruch auf Leistungen — aber ab Antragsdatum wird rückwirkend gezahlt, sobald der Pflegegrad anerkannt ist.
Was ist die wichtigste erste Leistung?
Bei akutem Pflegefall — die Pflegeberatung nach § 7a SGB XI. Sie ist kostenfrei und du hast Anspruch auf einen Beratungstermin in den ersten zwei Wochen nach Antrag. Pflegestützpunkt anrufen genügt.
Soll ich meinen Job reduzieren?
Es gibt rechtliche Möglichkeiten — Pflegezeit (bis 6 Monate, unbezahlt), Familienpflegezeit (bis 24 Monate, Teilzeit), kurzzeitige Arbeitsverhinderung (bis 10 Tage, mit Pflegeunterstützungsgeld). Mehr dazu beim Pflegestützpunkt.