Ratgeber · Sicherheit zuhause

Hausnotruf — Sicherheit auf Knopfdruck, zuhause und unterwegs

Ein Hausnotrufsystem verbindet pflegebedürftige und allein lebende Menschen rund um die Uhr mit einer Notrufzentrale — per Knopfdruck am Armband oder an der Basisstation. Die Pflegekasse übernimmt ab Pflegegrad 1 einen großen Teil der Kosten nach § 40 SGB XI. Dieser Ratgeber erklärt, wie Hausnotruf funktioniert, was er kostet und wie Sie ihn beantragen.

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Zuschuss der Pflegekasse für die monatliche Grundgebühr eines Hausnotrufs (§ 40 SGB XI, ab Pflegegrad 1).

Rund-um-die-Uhr-Erreichbarkeit — qualifizierte Mitarbeitende in der Notrufzentrale nehmen jeden Alarm an, Tag und Nacht, 365 Tage im Jahr.

Anspruch besteht bereits ab Pflegegrad 1 — für alle fünf Pflegegrade gilt dieselbe Pauschale. Voraussetzung: Antrag vor Inbetriebnahme.

Was ist ein Hausnotrufsystem?

Ein Hausnotrufsystem ist ein elektronisches Melde- und Sprechsystem, das aus drei Bausteinen besteht: einer Basisstation im Wohnzimmer oder Flur, einem mobilen Notrufsender (meist als Armband oder Halskette getragen) und einer 24-Stunden-Notrufzentrale, die den Alarm entgegennimmt. Auf Knopfdruck baut die Basisstation eine Sprechverbindung zur Zentrale auf — ohne dass der Hörer abgenommen werden muss. Ein qualifizierter Mitarbeiter spricht direkt über die Freisprechanlage mit der hilfesuchenden Person und entscheidet anhand hinterlegter Gesundheitsdaten, ob Angehörige, ein Pflegedienst oder der Rettungsdienst alarmiert werden.

Der Hausnotruf zählt rechtlich zu den technischen Pflegehilfsmitteln nach § 40 SGB XI — und ist damit klar abgegrenzt von Pflegehilfsmitteln zum Verbrauch (wie Handschuhen oder Bettschutzeinlagen). Genau deshalb übernimmt die Pflegekasse die Kosten nach einer eigenen Kostenregelung (siehe unten).


So funktioniert es im Alltag

Stellen Sie sich vor: Frau K., 82, stürzt morgens im Badezimmer. Sie kann nicht mehr aufstehen, das Telefon ist außer Reichweite. Mit dem Hausnotrufsender am Handgelenk drückt sie den roten Knopf — die Basisstation wählt automatisch die Zentrale an.

Innerhalb von Sekunden meldet sich eine Mitarbeiterin über die Freisprechanlage und spricht lauter als gewöhnliches Sprechen, damit Frau K. sie auch aus dem Bad hören kann. Antwortet sie nicht, wird automatisch die hinterlegte Helferkette aktiviert: eine Nachbarin mit Schlüssel, danach der Sohn, im Ernstfall der Rettungsdienst — samt allen wichtigen Daten (Adresse, Medikamente, Hausarzt).

Moderne Basisstationen funken 30 bis 50 Meter weit — das reicht bis in den Garten oder die Einfahrt. Wer mobil bleibt, wählt zusätzlich einen mobilen Notrufsender mit GPS für unterwegs.

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Die Komponenten im Überblick

Je nach Anbieter und Ausstattungsvariante setzt sich ein Hausnotruf aus mehreren Modulen zusammen. Die folgende Übersicht zeigt die vier wichtigsten Bausteine:

Basisstation

Zentrale Einheit mit großem SOS-Knopf und Freisprecheinrichtung. Wird per Telefonleitung oder Mobilfunk mit der Notrufzentrale verbunden.

Notrufsender

Kleiner Funksender als Armband oder Halskette — wasserdicht, leicht, wird auch beim Duschen getragen. Löst den Alarm bequem am Körper aus.

Zusatz-Sensoren

Optional: Sturzsensor (automatischer Alarm bei Stürzen), Rauchmelder, Bewegungsmelder oder Tür-Kontakte. Gegen Aufpreis — nicht in der Pauschale enthalten.

Mobiler Hausnotruf

Für unterwegs: GPS-fähiger Funkfinger oder Mobiltelefon mit Notruftaste. Ortet die Person im Freien und leitet Position an den Rettungsdienst weiter.

Kostenübernahme durch die Pflegekasse (§ 40 SGB XI)

Der Hausnotruf gilt als technisches Pflegehilfsmittel und wird — anders als Pflegebox-Produkte — nicht aus dem 42-€-Monatsbudget bezahlt, sondern als eigenständige Leistung bezuschusst. Zwei Kostenblöcke sind relevant:

KostenpositionZuschuss der PflegekasseVoraussetzung
Einmalige Anschluss- / Installationskostenbis 10,49 €Pflegegrad 1 oder höher, Antrag vor Installation
Monatliche Grundgebühr / Wartung25,50 € / Monatdauerhaft, solange Pflegegrad besteht
Stand: geltende Pauschale nach § 40 SGB XI für Hausnotrufsysteme — gilt für alle Pflegegrade gleich.

Liegt der Tarif Ihres Anbieters exakt bei 25,50 €/Monat, ist der Hausnotruf für Sie kostenfrei. Viele Anbieter verlangen jedoch höhere Grundgebühren oder zusätzliche Module (z. B. Sturzsensor, Schlüsselhinterlegung) — die Differenz zahlen Sie selbst. Achten Sie deshalb beim Vergleich auf die tatsächlichen Monatskosten, nicht nur auf den beworbenen „Pflegekasse-Anteil“.

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Wie beantrage ich einen Hausnotruf?

Wichtigste Regel: Erst der Antrag, dann die Installation. Wer den Anbieter beauftragt, bevor die Pflegekasse zugestimmt hat, riskiert, die Anschlusskosten selbst zu tragen. In vier Schritten zum geförderten Hausnotruf:

Schritt 1

Pflegegrad prüfen

Der Zuschuss setzt mindestens Pflegegrad 1 voraus. Liegt noch keine Einstufung vor, stellen Sie zuerst einen Pflegegrad-Antrag bei der Pflegekasse.

Schritt 2

Anbieter wählen

Holen Sie 2–3 Angebote ein. Prüfen Sie Reichweite, Qualität der Notrufzentrale, Vertragslaufzeit und ob die Grundgebühr exakt der 25,50-€-Pauschale entspricht.

Schritt 3

Antrag stellen

Reichen Sie bei der Pflegekasse einen formlosen Antrag auf Kostenübernahme ein — oder nutzen Sie die Antragsformulare vieler Anbieter, die den Schritt für Sie übernehmen.

Schritt 4

Installation

Nach Bewilligung montiert der Anbieter die Basisstation zuhause, richtet den Sender ein und hinterlegt die Helferkette. Funktionstest inklusive.

Worauf Sie beim Anbieter achten sollten

Die Angebote am Markt unterscheiden sich deutlich — nicht nur im Preis, sondern auch in der Qualität der Notrufzentrale und den technischen Details. Bevor Sie einen Vertrag unterschreiben, prüfen Sie folgende Punkte:

  • Funkreichweite der Basisstation (mind. 30 m, besser 50 m)
  • Qualität der Notrufzentrale — 24/7-Erreichbarkeit, deutschsprachig, geschultes Personal
  • Monatsgebühr — exakt 25,50 €? Oder muss ich selbst zuzahlen?
  • Vertragslaufzeit & Kündigungsfrist — möglichst vertragsfrei oder monatlich kündbar
  • Zusatzmodule — Sturzsensor, GPS, Schlüsselhinterlegung, Rauchmelder — kostenpflichtig?
  • Installation & Einweisung — wird vor Ort eingerichtet, getestet, erklärt?
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Achtung · Zusatzkosten

Versteckte Mehrkosten beim Hausnotruf erkennen

Viele Anbieter werben mit „kostenlos für Pflegebedürftige“ — erheben aber Aufpreise über die Pflegekassen-Pauschale hinaus. Typische Zusatzposten: Sturzsensor (5–10 €/Monat), Schlüsseldepot (einmalig 30–60 €), mobiler GPS-Sender (10–20 €/Monat), Installationspauschalen über 10,49 €. Auch lange Vertragsbindungen (12 oder 24 Monate) sind üblich, obwohl es vertragsfreie Alternativen gibt. Prüfen Sie das Preisblatt vor Unterschrift genau — und bestehen Sie auf einer monatlichen Kündbarkeit.

Eine Stimme aus der Praxis

„Wir haben lange gezögert — meine Mutter wollte keinen ‚Pieper‘. Heute sagt sie, der Knopf am Handgelenk gibt ihr ein Stück Selbstständigkeit zurück. Sie geht wieder allein in den Garten, und wir Kinder schlafen nachts ruhiger.“

Sabine M., Tochter einer 84-jährigen alleinlebenden Mutter (Pflegegrad 2)

Häufige Fragen zum Hausnotruf

Fazit: Sicherheit, die sich rechnet

Der Hausnotruf ist eines der wirkungsvollsten technischen Pflegehilfsmittel, um Selbstständigkeit und Sicherheit im eigenen Zuhause zu verbinden. Mit dem Zuschuss der Pflegekasse nach § 40 SGB XI — bis 10,49 € einmalig und 25,50 € monatlich — ist er ab Pflegegrad 1 in der Basisausstattung kostenfrei. Entscheidend ist, vor Installation den Antrag zu stellen, Angebote sauber zu vergleichen und auf kurze Vertragslaufzeiten zu achten. Die Investition an Zeit — rund eine Stunde für Antrag und Anbieterwahl — zahlt sich im Ernstfall vielfach aus.